Herbert Hildebrand

Herbert Hildebrand zu begegnen bedeutete, nicht nur einen Menschen in seiner Alltäglichkeit zu treffen, sondern – durch ihn – von einem sichtbaren Wandel in der menschlichen Natur betroffen zu sein. Einer Gestalt gewordenen Metamorphose gleich durchlief er die Lebensbereiche des Soldaten, des Bergsteigers und -führers, des Sportlers und Sportlehrers und schließlich den des Geschäftsmannes.

Er begegnete bei Selvarajan Yesudian dem Yoga und konnte von da ab die Dimensionen seines Lebens nochmals um ein Vielfaches erweitern. Herbert Hildebrand war über viele Jahre so intensiv mein persönlicher Lehrer, dass es für mich nicht ausbleiben konnte, an seiner Entwicklung teilzunehmen. Seine Biographie habe ich erst nach seinem Tode gelesen, notwendig war das aber nicht, um ihn ganz zu kennen, zu erkennen. Was ich dennoch – gerade bei einem Rückblick auf sein Wirken – erkannt habe, war einfach: Wir, wir Europäer, haben gegenüber den Indern ein deutliches Defizit, wir sind nicht religiös, wir sind nicht spirituell, wir sind nicht einmal wirklich gesammelt. Wir entfalten uns nicht, weil wir nicht wissen, dass – und wie – wir dazu erst einmal anhalten und uns sammeln müssen.

Herbert Hildebrand zu begegnen, bedeutete die Aufhebung dieses Mangels. Sein Wirken bestand, ebenso wie das Yesudians, mehr aus dem Unwillkürlichen seines Dasein und seiner Ausstrahlung als aus der Art und Form seiner Belehrungen. In seinem Unterricht musste man gesammelt und aufmerksam sein. Aus dieser geistigen Wachheit heraus ergab sich der Sinn des Inhaltlichen in seinem Unterricht ganz von selbst. Yogis unterrichten nichts, was nicht ohnehin selbstverständlich wäre, uns aber oft durch Ablenkung verborgen ist. So war auch die bloße Anwesenheit von Herbert Hildebrand das Element, das mir – uns – vrsti (Sanskrit: Regenschauer, im Sinne von “Erleuchten der Gedanken”) und den Yoga vermittelt hat.

Wer Herrn Hildebrand kannte, wusste, daß seine Arbeit ohne den Beitrag seiner Frau nicht möglich gewesen wäre. Der Dank an beide ist bei ihren Schülern tief verankert.