Yoga-Sutras I,1 bis I,4

Die ersten vierzehn Worte

 

Yoga-Sūtras I/1 bis I/4:

atha yoga-anuśāsanaṃ
yogaś citta-vṛtti-nirodhaḥ
tadā draṣṭuḥ svarūpe’vasthānam
vṛtti-sãrūpyam itaratra

 

Ausschnitt aus Swami Vivekanandas Kommentar zu
Yoga-Sutra I/49

We can read all the Vedas, and yet will not realise anything,
but when we practise their teachings,
then we attain to that state which realises what the Scriptures say,
which penetrates where reason cannot go,
and where neither perception nor inference can go,
and where the testimony of others cannot avail.

Wir können alle Vedas lesen und doch nichts verwirklichen.
Wenn wir aber ihre Lehren in die Tat umsetzen, erreichen wir
jenen Zustand, welcher verwirklicht, was die Schriften lehren,
der dorthin vordringt, wohin der Verstand nicht gehen kann,
und wohin weder Wahrnehmung noch Schlussfolgerung gehen
können, und wo das Zeugnis anderer keine Hilfe ist.

 

Die Yoga-Praxis

Der vedische Yoga umfasst alle Bereiche des Lebens.
Den spirituellen – der Befreiung des individuellen Ichs.
Den sozialen – des Dienstes in der Gesellschaft.
Den Körper, die Gedanken und die Seele.

 

Der praktischen Verwirklichung dieser Ziele tragen die verschiedenen Yoga-Techniken Rechnung. Ihre Ansatzpunkte richten sich nach dem Bedarf des Schülers und dem Vermögen des Lehrers.

Grundlage aller unterschiedlichen Formen der Yoga-Lehre jedoch sind die Yoga-Sūtras des Patanñjali. Die ersten vierzehn Worte der Yoga-Sūtras sind Maßstab, Anfang und Ende der verschiedenen Wege.

Mit vierzehn Worten – wie Patañjali es getan hat – den Beginn und die Vollendung eines Weges, sowie dessen vielfältige Parabeln darzustellen, ist einmalig (wirksam) in der Geschichte der Heils- und Weisheitslehren. Der Einstieg beginnt mit atha, die Vollendung schließt ab mit iti. In den dazwischen liegenden einhundertfünfundneunzig Sūtras spiegelt sich die „volle Fülle“ des Lebens.

Anmerkung: Das Wort vṛtti lässt sich in diesem Zusammenhang nicht übersetzen. Sehr frei könnte man – besonders im Blick auf die aktuelle Physik – sagen vṛtti heißt Welle, Schwingung. Man sollte dann aber noch die Frage anknüpfen: Welche Erscheinung ist nicht Schwingung?